Flora-Klassik-Sommer
Der diesjährige Flora-Klassik-Sommer bietet Ihnen unter dem Motto "Saitensprünge aus vier Jahrhunderten" zehn wunderbare Soireen in der Orangerie auf Schloss Rheda.
Als Abonnent können Sie wählen: Entscheiden Sie sich im großen Abonnement (70 Euro) für 6 Konzerte aus dem vorhandenen Angebot von 10 Veranstaltungen oder genießen Sie im kleinen Abonnement (37 Euro) 3 von 10 Konzerten. Die Einzelkarte kostet 15,50 Euro, Schüler zahlren 7 Euro.
Übrigens: Die Abokarten sind selbstverständlich übertragbar.
Sie möchten weitere Informationen? Dann rufen Sie uns gern unter Telefon 05242-9301-0 an!
Das Programm 2010
Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
Rainer Maria Rilke
"O süßes Lied" schreibt Rainer Maria Rilke im nebenstehenden Gedicht über zwei liebenden Seelen, die er in der Metapher der zwei harmonisch zusammen klingenden Saiten einer Geige fasst, durch einen Bogenstrich zum Erklingen gebracht. Wie die menschliche Stimme erzeugt wird durch das Vibrieren der Stimmbänder im Luftstrom, so erklingt die Äolsharfe im Wind - die Natur tönt, und wer Ohren hat zu hören, der höre, und wer ein Herz hat zu fühlen, der fühlt; denn stets eignet den schwingenden Saiten, seien sie gezupft, angeschlagen oder gestrichen, ein emotionaler Impetus, die Seele wird mit in Schwingung versetzt.
Genießen Sie die Saitensprünge durch die Jahrhunderte der europäischen Musikgeschichte im stimmungsvollen Rahmen der Orangerie auf Schloss Rheda. Laute, Gambe, Geige, Bratsche und Cello, Harfe, Klavier und die menschliche Stimme - sowie als echter Seitensprung zur Harfe die Flöte - entführen Sie ins Reich der beseelten Musik, und damit der Emotionen, Leidenschaften und Liebe.
Sonntag, 11. April 2010, 17 Uhr
Susanne Grützmann (Flügel)
Wir feiern im Juni den 200sten Geburtstag eines der großen deutschen romantischen Komponisten: Robert Schumann. Seine Liebe zur Tochter des eigenen Klavier-Lehrers, der damals v.a. durch die ausgezeichnete Interpretation von Beethoven und Chopin bekannten Pianistin Clara Wieck, führt ab 1840 zu einer Künstlerehe, die sich durch Kongenialität auszeichnete.
Beiden knüpft die herausragende Pianistin Susanne Grützmann einen Schumann-Geburtstagsstrauß in der ersten Orangerie-Soiree 2010. Ein hochromantischer Auftakt unserer Konzertsaison und das Zeugnis einer tiefen Liebe zwischen zwei Menschen und zu einem Instrument, dem Pianoforte; da springen die Saiten voller Lust...
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Sonntag, 18. April 2010, 17 Uhr
Juris Teichmanis: Bach - Cello-Suiten
"Man stritt heute viel über unsern Sebastian Bach und über die alten Italiener, man konnte sich durchaus nicht vereinigen, wem der Vorzug gebühre. Da sagte mein geistreicher Freund: »Sebastian Bachs Musik verhält sich zu der Musik der alten Italiener ebenso, wie der Münster in Straßburg zu der Peterskirche in Rom.«, so heißt es in E.T.A. Hoffmanns "Fantasiestücke in Callots Manier".
Wenn Juris Teichmanis Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach spielt, erhellt sich dieses Zitat, das die Bach'sche Musik wundervoll charakterisiert. Der Barockkomponist baut keinen barock verzierten, üppig ausgemalten Harmonieraum, sondern ein filigranes, wohl strukturiertes und luzides Tongebilde. Wie in seinem wohltemperierten Klavier, aber durch das Solo-Cello noch durchsichtiger und in den Strukturen noch klarer erkennbar, vollzieht Bach in den Suiten für Violoncello seine Harmonielehre. Ein von Teichmanis geleitetes Harmonielehre-Seminar ohne belehrende Worte, das mit den Ohren des Herzens direkt an die Wurzeln unseres Intellekts rührt.
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Sonntag, 9. Mai 2010, 17 Uhr
Ian Honeyman (Tenor & Klavier)
Ich will meine Seele tauchen
In den Kelch der Lilie hinein;
Die Lilie soll klingend hauchen
Ein Lied von der Liebsten mein.
Das Lied soll schauern und beben
Wie der Kuß von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar süßer Stund'.
Heinrich Heine
Ein Tenor begleitet sich selbst am Klavier und interpretiert mit Robert Schumanns "Dichterliebe" nach Gedichten Heinrich Heines und den "Songs of Travel" von Ralph Vaughan Williams nach dem gleichnamigen Lyrikband des Schotten Robert Louis Stevenson zwei romantisch angehauchte Gedichtzyklen. Das kann nur der am King's College ausgebildete Sänger, Pianist und Schauspieler Ian Honeyman. Und wir dürfen gespannt sein auf das emotionale Gespräch der Hände am Klavier mit den Stimmbändern, wenn es um Liebe, Fernweh und Heimat geht.
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Sonntag, 30. Mai 2010, 17 Uhr
Ensemble Liuto Concertato:
Zum 300. Todestag von F.I. Hinterleithner
... der zierlichen Music vernünfftiges Wunderwerck... beschreibt Ferdinand Ignaz Hinterleithner in der stilbildenden Veröffentlichung seiner Lautenkonzerte von 1699. Der heute nur in Fachkreisen bekannte Musiker - im vergangenen Jahr erinnerten wir seinen 350sten Geburtstag, in diesem seinen 3000sten Todestag - stellt darin die Macht der Musik für die emotionale Entwicklung des Menschen dar; vor allem die Wirkung der Musik auf die Trübungen der Seele und die Schmerzen der Liebe sind Hinterleithner ein Anliegen.
Lutz Kirchhoff und seinem Ensemble Liuto Concertato gebührt der Verdienst, Hinterleiter zu würdigen als den Erfinder des Lautenkonzertes und seine Wirkung auf jüngere Zeitgenossen und Nachgeborene herauszustellen. In diesem ungewöhnlichen Konzert mit barocken Instrumenten treten zum gezupften, rhythmischen Lautenklang die weichen, cantilenen Bogenstriche von Pardessus de Viole und Viola da Gamba, und jedem Zuhörenden wird die geheime positive Wirkung dieser Musik auf unsere Emotionen und unsere Liebesempfindung unmittelbar vor Ohren geführt.
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Sonntag, 6. Juni 2010, 17 Uhr
Nini Funke (Flügel)
Zwei Tage vor Robert Schumanns 200stem Geburtstag würdigt die gefeierte Pianistin Nini Funke den romantischen Komponisten mit einem Programm, das im ersten Teil in Beethoven eines der Schumannschen Vorbilder erklingen lässt , in Messiaen einen der großen Komponisten des 20.Jahrhunderts in Beispielen seiner religiös-mystischen Kompositionen vorstellt, der tief in romantischer Klangwelt wurzelt, und in Chopin den gleich alten Zeitgenossen präsentiert, der durch Schumanns Rezension 1831 den Deutschen erstmals als Genie vorgestellt wurde. Der zweite Teil bringt in der Fantasie C-Dur op.17 von Robert Schumann dann die Verbeugung der modernen Pianistin vor dem genialen Komponisten.
Auch in diesem Konzert geht es um die Liebe. Bei Beethoven um Abschied und Wiedersehen der Liebenden; bei Messian um die religiöse Liebe zu Christus; in den beiden Fantasien Chopins und Schumanns um die Emotionalität des Menschen schlechthin, deren schönsten Teil die Liebe darstellt.
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Sonntag, 20. Juni 2010, 17 Uhr
Christine Köhler / Miriam Overlach (Flöte & Harfe)
Vom Barock über Klassik und Romantik bis hin zur Neo-Romantik reicht der Bogen, den Christine Köhler, Flöte, und Miriam Overlach, Harfe, spannen.
Unser Thema Saitensprünge ist hier doppeldeutig besetzt. Zum einen steht mit der Harfe eines der Saiteninstrumente auf der Bühne, das wohl als ältestes und symbolträchtigstes Zupfinstrument bezeichnet werden darf; als mitteleuropäisches Pendant zur orientalisch-mittelmeerischen Lyra ist sie Symbol des mythische Orpheus wie auch des biblischen Sänger-Königs David. Zum anderen ist die Querflöte in diesem Konzert ein echter Seitensprung, da hier nicht die schwingende Saite sondern eine in Schwingung versetzte Luftsäule den Klang erzeugt - spätestens seit dem Fund der ältesten Flöte der Welt im vergangenen Jahr auf der schwäbischen Alb wissen wir, dass Flötenklang mit der Entwicklung menschlicher Kultur in unmittelbarer Verbindung steht.
So archaisch die Herkunft der Instrumente ist, so jung, frisch und modern interpretiert das Duo Köhler-Overlach Highlights der Musikgeschichte für Flöte und Harfe.
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Sonntag, 11. Juli 2010, 17 Uhr
Duosono
Nora Niggeling / Joachim Wagenhäuser (Bratsche & Klavier)
Traum, Märchen und Tanz stehen im Mittelpunkt der Soirée mit duosono. Die Viola, wie sie Nora Niggeling interpretiert, ist hierbei mit dem warmen, sonoren Klang des Altus genau das richtige Instrument. Mit ihrem Begleiter Joachim Wagenhäuser führt sie uns einmal durch das musikalische Europa von der Romantik bis zur Neoromantik ins 20. Jahrhundert, um mit "Le Grand Tango" von Astor Piazzola den Sprung nach Südamerika zu wagen.
Wieder steht das romantische Geburtstagskind Robert Schumann auf dem Programm, flankiert vom etwas jüngeren Johannes Brahms, dem Franzosen Gabriel Fauré und Belgier Henry Vieuxtemps, dem Finnen Jean Sibelius und dem aus Polen stammenden, in Paris studierten und Russland wirkenden Henryk Wieniawski. Und wieder geht es um das Emotionale in der Musik, um den Menschen in seinem Wünschen und Wollen, in seinen Träumen und seiner Leidenschaft.
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Sonntag, 25. Juli 2010, 17 Uhr
Affabre Concinui
A-cappella-Perlen von Barock bis Rock
Pour un flirt avec toi
je ferais n'importe quoi
Pour un flirt avec toi
je serais prêt à tout
pour un simple rendez vous
Pour un flirt avec toi
pour un petit tour
un petit jour
entre tes bras
pour un petit tour
au petit jour
entre tes draps
Michel Delpech (Musik: Roland Vincent)
AFFABRE CONCINUI heißt... "ideal mitklingen". Die Bezeichnung kommt aus dem Lateinischen und ist das künstlerische Kredo des Ensembles. Eine Woche vor unserer Orangerie-Soiree gastieren die 6 Sänger beim Schleswig-Holstein Musik Festival mit "A-cappella-Perlen von Barock bis Rock". Der Reigen stimmungsvoller Arrangements geht von Thomas Morley und Hanns Leo Hassler bis zu George Gershwin, Roland Vincent und Elton John, er berührt alle Musikepochen und bildet doch durch die Stimmkunst der faszinierenden polnischen Sänger eine harmonische Einheit.
Saitensprünge der Stimmbänder und Zeitensprünge der Kompositionen verbinden sich zu einem unvergesslichen Hörerlebnis - und es geht auch hier wiederum um die Verwerfungen der Liebe und der Emotionen.
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Sonntag, 5. September 2010, 17 Uhr
Gudrun Kohlruss / Andreas Kersten (Sopran & Klavier):
Puccini zum 150. Geburtstag
Unter dem Titel "Und zuletzt werde ich siegen!" hat die Sopranistin Grudrun Kohlruss mit ihrem Partner am Klavier, Andreas Kersten, und dem Moderator Winfried Roesner eine Hommage an Giacomo Puccini zusammengestellt, die den großen italienischen Opern-Komponisten des Balcanto auch mit unbekannteren Facetten seines Schaffens vorstellt.
Wo, wenn nicht in den Opern eines Puccini, spielt die Liebe und damit auch emotionale menschliche Verhaltensweisen die Hauptrolle. Besonders in den vier großen, Puccinis Namen unlöschbar ins Buch des Operngedächtnisses eingeschriebenen Musikdramen "Manon Lescaut" (1893) "La Bohème" (1896), "Tosca" (1900) und "Madame Butterfly" (1904), zeigt sich eine Musiksprache, die Emotion pur erzeugt. Und so wird diese Hommage an den großen Italiener auch eine Geschichte des Siegeszuges einer emotionalisierten spätromantischen Musik sein.
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Sonntag, 19. September 2010, 17 Uhr
Gaede Streichtrio
Das Gaede Streichtrio nimmt seit Jahren seinen festen Platz auf den Konzertbühnen ein. Es bildet den würdigen Abschluss des diesjährigen - ganz den Saiteninstrumenten gewidmeten - Flora-Klassik-Sommers. Und es ist ein ganz besonderes Programm selten gespielter Werke für diese klassische Streicher-Zusammensetzung.
Vom aus Ostböhmen stammenden Bohuslav Martinu und dem in Prag gebürtigen Hans Krása - er starb im KZ Auschwitz und ist uns im Gedächtnis als Komponist der Oper Brundibár, die im KZ Theresienstadt 55 Aufführungen erlebte - in der ersten Konzerthälfte reicht der Bogen weiter zum russischen Sergei Iwanowitsch Tanejew, um in Frankreich bei Jean-René Francaix zu enden. Musik der Spätromantik und klassischen Moderne des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts, die innerhalb von rund 50 Jahren entstanden ist und kammermusikalische Kleinode enthält, die ein Großteil des Publikums wohl erstmals hört.
Lassen Sie sich von diesem tiefen emotionalen Klangerlebnis gefangen nehmen.
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